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Was ist Gender

WAS IST GENDER?

Gender

Der Begriff meint das kulturell – gesellschaftliche konstruierte Geschlecht, Geschlechterrollen und –funktionen. Er wurde im Deutschsprachigen beibehalten, weil durch die mit ihm einhergehende Unterscheidungsmöglichkeit von Sex und Gender eine Unterscheidung zwischen dem biologischen Geschlecht und dem sozialen, gesellschaftlich-kulturell hergestellten Geschlecht getroffen werden konnte.

Gender Mainstreaming

Gender Mainstreaming ist eine gleichstellungspolitische Strategie, die daraufhin ausgerichtet ist, sämtliche Entscheidungen in einer Organisation kritisch auf ihre Auswirkungen auf die von geschlechterbezogenen Ungleichheiten unterschiedlich geprägte Lebensrealität von Frauen und Männern zu überprüfen und diesbezüglich bestehende Differenzen abzubauen. Kritik wird u. a. aufgrund der voraussetzungsreichen Umsetzung und der Gefahr, stereotype Geschlechterbilder zu verfestigen, geübt.

Doing Gender

das sind die permanenten Interaktionen der Ein- und Anpassung von Menschen an zweigeschlechtliche, heteronormative durch Auf- und Abwertung strukturierte, hierarchische Verhältnisse in Schule, am Arbeitsplatz, Familie, im gesellschaftlichen Raum.

Genderkonstruktion

Die Konstruktion von Gender bedeutet die gesellschaftlich-kulturelle Herstellung bestimmter Rollen, Rollenbilder und Funktionen von Frauen und Männern. Es geht um die Herstellung von bestimmten Bedeutungen und Klassifikationen der Geschlechter sowie um bestimmte Zuordnungen und Zuweisungen der Geschlechter „Mann und Frau“ und um die Bestimmung ihres Verhältnisses.

Genderdekonstruktion

Die Auffassung, dass Gender konstruiert ist, bedeutet, das Geschlecht und die Rolle der Geschlechter variabel und veränderbar sind und damit auch die Beziehung der Geschlechter, die keiner sterotypen Form aus „natürlichen“ Gründen folgt: Männer können dieselben Funktionen und Rollen einnehmen wie Frauen und umgekehrt. Genderdekonstruktion meint, stereotype Aufassungen von Gender zu verschieben, zu transformieren, mehrere Variablen aufzuzeigen.

Undoing Gender

bezeichnet eine Praxis, die Zuschreibung stereotypischer Geschlechterrollen zu erkennen, zu problematisieren und schließlich zu dekonstruieren.

Asexuell

Menschen, die keinerlei Neigung verspüren, mit einer anderen Person sexuell aktiv zu werden. Dies heißt nicht, dass sich Asexuelle nicht zu anderen Menschen hingezogen fühlen können, sondern lediglich, dass kein Verlangen an Sex mit ihnen besteht. Asexuelle Menschen können aromantisch sein oder romantische Bindungen leben bzw. sie sich wünschen.

Bisexuell

Bezeichnet die sexuelle Orientierung von Menschen, die sich – innerhalb der Zweigeschlechterordnung – von beiden Geschlechtern, Männern und Frauen, angezogen fühlen. Als Kurzform ist das Adjektiv bi gebräuchlich. In diese Richtung weisen Aussagen wie etwa: „Der/ die traut sich doch bloß nicht, das Coming Out zu haben...“
Der Begriff „bisexuell“ bezieht sich allerdings nur auf das binäre Geschlechtersystem (siehe „Heteronormativität“, „Zweigeschlechterordnung“).

Cisgender/Cis*

(lateinisch cis- ‚diesseits‘) Bezeichnet Personen, die sich mit dem bei ihrer Geburt zugewiesenen/biologischen Geschlecht weitgehend identifizieren. Die Bandbreite dessen, was Cisgender umfasst, ist ebenso groß wie bei „Transgender“ – von klassischer Geschlechterkonformität über Kritik an manchen geschlechtlichen Zuschreibungen bis hin zum Unbehagen mit der zugeschriebenen Geschlechterrolle. Gemeinsam ist allen Cisgender-Personen lediglich, dass sie nicht „trans*“ sind. Jede geschlechtliche Identität und Darstellung ist somit gleich selbstverständlich und gleich erklärungsbedürftig.

Coming-out

meint das eigene Erkennen und evtl. Bekanntmachen der sexuellen oder geschlechtlichen Identität. Es handelt sich nicht um einen einmaligen Vorgang, sondern um einen langfristigen Prozess, der auch nie ganz abgeschlossen ist.

Geschlechtliche Identität oder Geschlechtsidentität

meint die individuell empfundene Zugehörigkeit zu einem Geschlecht, unabhängig von körperlichen Gegebenheiten.

Heterosexuell

...meint Menschen, die sich fast ausschließlich zu Menschen des anderen Geschlechts hingezogen fühlen – in Bezug auf sexuelles/romantisches Begehren und Liebe. Heterosexualität wird in aller Regel als soziale Norm postuliert – und Homosexualität als Abweichung davon. Alltagssprachlich wird dies deutlich an Formulierungen wie „Bei den Homosexuellen ist das anders als bei uns...äh...Normalen“.
In Zusammenhang mit dieser „Heteronormativität“ wird ein unhinterfragtes, ausschließlich binäres Geschlechtersystem vorausgesetzt, in dem das biologische Geschlecht mit Geschlechtsidentität, Geschlechterrolle und sexuelle Orientierung für jeden gleichgesetzt wird (siehe auch Zweigeschlechterordnung). Heterosexualität wird in der Regel als soziale Norm als gegeben hingestellt und Homosexualität als Abweichung davon.

Homosexuell

Ein Überbegriff für alle Menschen, die sich fast ausschließlich zu Menschen des eigenen Geschlechts hingezogen fühlen – in Bezug auf sexuelles/romantisches Begehren und Liebe. Der Begriff „homosexuell“ kann für Männer oder Frauen verwendet werden.
Gelegentlich finden selbst Betroffene diesen Begriff problematisch, weil er sich nur auf das Sexuelle bezieht und Dimensionen wie Verliebtsein, Liebe, Schwärmen, Paarbeziehungen, Zusammenleben u.v.a.m. in den Hintergrund stellt.
Daher verwenden viele lieber die Begriffe lesbisch und schwul.
Die Formulierung „Homosexuelle und Lesben“ ist irreführend und wird zu Recht von lesbischen Frauen als diskriminierend empfunden.

Intersektionalität

Intersektionalität (engl. intersection: Kreuzung, Schnittpunkt, Überschneidung) beschreibt die integrative Analyse des Zusammenwirkens unterschiedlicher Formen und Dimensionen von Ungleichheit, Differenz und Herrschaft. Die in der Intersektionalitätsforschung verwendeten Differenzkategorien (die meist genannten sind race, class, gender), in denen Machtverhältnisse wirken, die einige Eigenschaften privilegieren und andere diskriminieren, werden dabei gesellschaftlich konstruiert.

LGBT*

Die international gebräuchliche, englische Abkürzung steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*Menschen (Lesbian, Gay, Bisexual, Trans*). Das Sternchen * ist Namensbestandteil und steht für die Bandbreite der Möglichkeiten der Identitäten im Trans*Bereich. Gelegentlich wird auch die Abkürzung LGBT*IQ verwendet, die „intersexuell“ und „queer“  mit einbezieht.

Queer

(engl. „queer“ = seltsam, zweifelhaft, suspekt): Ursprünglich war „queer“ im englischen ein gängiges Schimpfwort v.a. für Schwule, Lesben, Transsexuelle et., das diese sich aber mit der Zeit selbst angeeignet haben und als positive Selbstbezeichnung zu benutzen begannen (siehe auch „schwul“). Mittlerweile wird „queer“ einerseits als Überbegriff verwendet, der alle sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten vereint, welche von der heterosexuellen/zweigeschlechtlichen Norm abweichen. Zudem werden damit diese vermeintlichen Normen (wie bspw. Heterosexualität) an sich hinterfragt (siehe auch „Heteronormativität“). Andererseits bezeichnet der Begriff in einem spezielleren Sinn auch eine Einstellung, die den fließenden Übergang zwischen verschiedenen möglichen geschlechtlichen und sexuellen Identitäten anerkennt und ein "Schubladendenken" bzw. einschränkende „Entweder-Oder Einteilungen“ prinzipiell in Frage stellt (genderqueer/non-binary/agender/genderfluid…). Dabei werden vor allem auch die Ausschlüsse in den Blick genommen, die durch eine Abgrenzung zwischen scheinbar klar definierten Kategorien /z.B. „Mann und Frau“, „heterosexuell und homosexuell“, aber auch „Weiße und People of Color“ et.) notwendigerweise stattfinden.

Intersex(uelle) / (Hermaphroditen/Zwitter)

Der Begriff bezieht sich auf Personen, die nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden können - aufgrund ihrer Anatomie, ihrer genetischen Merkmale oder ihres Hormonstatus. Das heißt, hier geht es - anders als bei trans* Menschen - um eine körperliche/biologische „Uneindeutigkeit“. In der Vergangenheit, aber auch heute noch wurden/werden intersexuelle Menschen trotzdem einem Geschlecht zugeordnet oder sogar medizinisch, d.h. durch Operationen, angeglichen. Dies kann zu großen psychischen Belastungen führen.
Der Begriff Zwitter ist veraltet und wird von den Betroffenen heutzutage eher als Beleidigung aufgefasst.

Lesbisch (englisch lesbian)

Der Begriff bezieht sich auf homosexuelle Frauen. Abgeleitet von der antiken Dichterin Sappho, die auf der Insel Lesbos lebte und in ihren Liedern auch die Liebe zwischen Frauen besang. Heutzutage sind „Lesbe“ und „lesbisch“ die häufigsten Begriffe, die homosexuelle Frauen zur Selbstbezeichnung verwenden. Trotzdem wird der Begriff „Lesbe“ oft noch als Schimpfwort verwendet. „Lesbierin“ ist altmodisch und wird heute in der Regel als diskriminierend empfunden.

Queer Studies bzw. Queer Theory

erweitern den Begriff Gender (Mann, Frau) hin zur Vielfältigkeit von Genderformen (Intersexuelle, Transgender etc.) und gelten als Ansatz der Infragestellung von festgelegten, stereotypen Identitäten mit der Zielsetzung der gleichen Möglichkeiten und gleichberechtigten Partizipation an gesellschaftlichen (d.h. sozialen, materiellen, politischen, kulturellen…) Ressourcen für queere Menschen. In ihrer pluralen Richtung vertreten sie den intersektionalen Ansatz.

Pansexuell

Personen, die sich emotional oder sexuell zu Personen verschiedenster Geschlechtsidentitäten hingezogen fühlen. Der Begriff ist quasi eine Erweiterung von >bisexuell, trägt aber zudem der Vielfalt der Geschlechter und Identitäten Rechnung und bezieht so auch das Begehren in Bezug z.B. auf trans* und intersex-Personen mit ein.

Schwul (englisch gay)

Der Begriff bezieht sich auf homosexuelle Männer. Ursprünglich nur als Schimpfwort verwendet, wird er heutzutage nach einem Umdeutungsprozess, der in den späten 1960er Jahren begann, von vielen schwulen Männern als positive Selbstbezeichnung verwendet. Er kann auch neutral-beschreibend von nicht-schwulen Menschen verwendet werden, gleichzeitig aber ist die Benutzung als diskriminierendes, herabsetzendes Schimpfwort aktuell wie eh und je.

Sexuelle Identität

ist die heute gängige Bezeichnung dafür, von welchen Menschen sich eine Person emotional-sexuell überwiegend angezogen fühlt (siehe heterosexuell, lesbisch, schwul, bisexuell). Oft wird synonym der Begriff „Sexuelle Orientierung“ verwendet. (Am Begriff „Orientierung“ wird allerdings kritisiert, dieser lege nahe, dass ein Mensch sich völlig frei aussuchen könne, von welchem Geschlecht er/sie sich angezogen fühlt.)

Transgender

Der Begriff „Transgender“ wird seit den 1970er Jahren verwendet. Er bezeichnet Personen, die sich nicht mit dem bei ihrer Geburt zugewiesenen/biologischen Geschlecht identifizieren, aber trotzdem nicht notwendigerweise körperliche Veränderungen (Operationen/Hormone) zur Geschlechtsangleichung anstreben. Manche definieren sich dabei als außerhalb des Zweigeschlechtersystems (welches nur „männlich“ oder „weiblich“ zulässt), andere fühlen sich trotzdem eher dem „anderen“ Geschlecht zugehörig. So steht „Transgender“ für eine sehr gemischte Gruppe, deren einzige Gemeinsamkeit es ist, dass sie ihre ursprüngliche Geschlechtszuweisung als unpassend empfinden.

Transvestit/Cross-Dresser

Personen, die durch Kleidung und Selbstdarstellung manchmal das „andere“ Geschlecht (siehe Zweigeschlechterordnung) verkörpern, z.B. zum Ausdruck ihrer Persönlichkeit, zum persönlichen Genuss oder zur sexuellen Befriedigung, die aber ihr Geburtsgeschlecht nicht verändern wollen. Drag Queen/Drag King Personen, die das jeweils „andere“ Geschlecht performen (z.B. auf der Bühne, auf Bildern…). Das kann zur Unterhaltung geschehen, um ein politisches Statement abzugeben und/oder um einen Teil ihrer Persönlichkeit auszudrücken

Trans*

Der Begriff „Trans*“ wurde Mitte der 1990er Jahre zunehmend populär und ist ein Sammelbegriff für Transexualität, Transidentität, Transgeschlechtlichkeit, Transgender, Genderqueer etc. Die Vorsilbe „trans-„ zeigt an, dass etwas „jenseits, über, darüber hinaus“ ist. Trans, transgender, transident oder transsexuell bezeichnen also (Geschlechts-)Identitäten, die sich nicht nur über das körperliche (Geburts-)Geschlecht definieren, sondern über dieses hinausgehen bzw. sich konträr zu diesem sehen. Ausschlaggebend für die Selbst- und Fremdwahrnehmung sind nicht alleine der Körper oder die Geschlechtsorgane, sondern das Identitätsgefühl, -bewusstsein, Empfinden und Verhalten.

Transgender/ Trans*/ Transsexuell

Der Begriff meint Menschen, die sich nicht mit dem (biologischen) Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Das bedeutet nicht zwingend, dass diese Menschen körperliche Veränderungen anstreben; es kann auch sein, dass sie sich - außerhalb des Zweigeschlechtersystems - weder als „eindeutig männlich“ noch als „eindeutig weiblich“ fühlen.
Wenn trans*Menschen geschlechtsangleichende Maßnahmen (Operationen und/oder Hormonbehandlungen) anstreben oder sie bereits vollzogen haben, wird für sie auch der Begriff transsexuell verwendet. Der Begriff „Geschlechtsumwandlung“ ist nicht richtig, weil körperliche Geschlechtsmerkmale nie völlig „umgewandelt“ werden können, sondern es um angleichende Maßnahmen geht.
Personen der Richtung Mann-zu-Frau werden als Transfrau bezeichnet, analog dazu werden Personen der Richtung Frau-zu-Mann als Transmann bezeichnet. Es wird also immer das „Zielgeschlecht“ angegeben.
Die Trans*identität eines Menschen hat nichts mit seiner/ihrer sexuellen Orientierung zu tun. Trans*Männer können bi, schwul oder heterosexuell etc. sein, trans*Frauen können bi, lesbisch oder heterosexuell etc. sein.

Transsexuell/Transident

Der Begriff „Transsexualität“ entstammt der medizinischen Terminologie und bezeichnet eine Geschlechtsidentität, die zum körperlichen Geschlecht im Widerspruch steht. Unter Transsexuellen werden Menschen verstanden, die geschlechtsangleichende Maßnahmen (Operationen und/oder Hormontherapie) entweder anstreben oder bereits vollzogen haben.
Der Begriff „Transsexualität“ ist verwirrend, da er ursprünglich bedeutete, das Phänomen sei eines „falscher Sexualorgane“. Mittlerweile wird Sexualität jedoch kaum mehr auf die Sexualorgane, sondern auf das sexuelle Verhalten bezogen, weshalb inzwischen häufig auch der Begriff der Transidentität verwendet wird, da Transsexualität keine Frage der sexuellen Neigung, sondern der geschlechtlichen Identität ist.

Zweigeschlechterordnung

In unserer Gesellschaft wird von einer natürlichen Zweigeschlechtlichkeit der Menschen ausgegangen, das heißt, dass Menschsein nur als Mann- oder als Frausein möglich ist, wobei sich die beiden Geschlechter (sexuell und emotional) scheinbar selbstverständlich aufeinander beziehen.

Links

Gender Glossar
FUMA Fachstelle Gender NRW
Glossar zu Begriffen geschlechtlicher und sexueller Vielfalt

Aus Czollek, Perko, Weinbach: „Lehrbuch Gender und Queer“ – Grundlagen, Methoden und Praxisfelder, juventa 2009; Küppers, Carolin: „Glossar1“ – in genderstudies #15, Herbst 2009; pro familia Ortsverband München e.V. – Sexualpädagogisches Team; Stadtjugendamt München, Fachstelle für Querschnittsaufgaben/GIBS; , www.dissens.de; www.gender-glossar.de